Venus -- Ende der Abendsichtbarkeit 2006

Wien 21, 10. 01. 2006

20060110wvo16.html

Beobachter:Wolfgang Vollmann
Datum:10. 01. 2006
Zeit:16.30 bis 17.00 MEZ
Ort:Wien 21
Instrument:Freies Auge, Fernglas 8x30
Bedingungen:
Durchsicht:gut (2)
Bericht:

Die schöne Abendsichtbarkeit der Venus ist in diesen Tagen zu Ende gegangen: Venus nähert sich ihrer unteren Konjunktion mit der Sonne, die sie am 14.Jan.2006 erreichen wird. Venus war wirklich schön zu sehen und mir sind einige gute Beobachtungen gelungen: z.B. am 4.Dez. und am 18.Dez.2005.

Venus ist schon so nahe der Sonne, dass sie schon im LASCO-Instrument des SOHO-Satelliten zu sehen ist:
2006 Jan.11, 1h42m UT. Der kleine weisse Ring ist die Sonne, die durch eine grössere dunkle Scheibe abgedeckt wird; die Haltestreben sind auch sichtbar. Venus ist das hellste Objekt links oben.

Da es nach langem Schlechtwetter am 8.Jan.2006 klar wurde, versuchte ich festzustellen, wann ich Venus zuletzt mit freiem Auge sehen konnte:
DatumSichtbarkeit mit freiem Auge
2006 Jan.8Am besten sehe ich sie um 16h40 MEZ, da ist es dunkel genug und sie ist noch nicht so tief: mit freiem Auge deutlich erkennbar, aber nicht hell und kein auffallender Abendstern mehr
2006 Jan.9am besten sehe ich sie zwischen 16h45 und 16h50 MEZ: schwacher heller Punkt, tief über dem Leopoldsberg, sinkt schon ziemlich in die horizontnahen Dunstschwaden. Noch eindeutig sichtbar
2006 Jan.1016h40 bis 16h50 MEZ: trotz genauer Ortskenntnis (im Fernglas 8x30 ist sie deutlich zu sehen) gelingt mir heute keine eindeutige Sichtung mehr: ich kann Venus nicht einmal mehr blickweise sehen. Vielleicht ist der Horizontdunst zu dick oder Venus schon zu tief.

Ergebnis: für mich endete die freisichtige Sichtbarkeitsperiode am 9.Jan.2006. Alle Beobachtungen machte ich in Wien 21.

Besonders schön war die schlanke grosse Venussichel an allen drei Tagen im Fernglas 8x30 erkennbar. Gefallen hat mir auch die Venus im 105mm Newton bei 64-facher Vergrösserung: die Sichel war sehr schmal und flackerte und verformte sich durch den tiefen Stand ziemlich. Ausserdem war sie bunt sichtbar! Die Erdatmosphäre zauberte einige Spektralfarben auf die Venus: ich konnte gelb, rot und grün erkennen, lauter kleine Fleckchen die auf der weissen Sichel herumwanderten. Ich beobachtete an den drei Tagen zwischen 16h15 und 17h00 MEZ.

Einige Fotos gelangen mir auch:
Venus am 8.Jan.2006, 16h48 MEZ. Minolta Z-2, f=188mm (Kleinbild-Äquivalentbrennweite), 1/30 Sekunde bei ISO 200 belichtet. Venus ist gerade am oberen Rand der Dunstschicht in der Bildmitte zu sehen. Rechts ist der Leopoldsberg und Kahlenberg am Bildrand zu sehen.
Bei grösster Zoom-Brennweite (Kleinbild-Äquivalentbrennweite f=380mm) war sogar die kleine Venussichel auf den Bildern erkennbar. Die Phase ist überstrahlt: Venus hatte zum Aufnahmezeitpunkt einen Durchmesser von 62,4" und war zu 1,3 Prozent beleuchtet.

Es gibt immer wieder Berichte von zuverlässigen Beobachtern mit sehr guten Augen, dass die Venussichel in den Wochen um die untere Konjunktion auch mit freiem Auge sichtbar ist (siehe z.B. die Beiträge Ende Dez.2005 auf der amastro-Diskussionsgruppe). Die Auflösungskraft des menschlichen Auges spricht durchaus für solche Beobachtungsmöglichkeiten. Allerdings können Astigmatismus oder Wunschsehen eine kritische Beobachtung verunmöglichen.

Am 8.Jan.2006 machte ich daher einen Beobachtungsversuch. Im Fernglas 8x30 war die Venussichel sehr schön und ziemlich gross sichtbar. Also brauchte ich weniger Vergrösserung. Ich benutzte ein Teleobjektiv f=100mm mit dahinter gehaltenem 30mm Okular für 100/30 = 3,3-fache Vergrösserung: Venus erschien sehr klein, aber bei ruhigem Halten des "Fernrohrs" war eindeutig ein kleines "Venuskipferl" zu sehen. Danach benutzte ich ein Objektiv f=50mm mit dem gleichen Okular für 50/30 = 1,7-fache Vergrösserung. Venus war bei dieser Vergrösserung winzig, aber bei längerer aufmerksamer Beobachtung war es eindeutig: kein Punkt, sondern eine winzige Sichel in der richtigen Richtung! Mit freiem Auge hatte ich allerdings keinen Erfolg: Venus blieb ein Punkt. Eine weitere Beobachtungsmöglichkeit bietet sich in den Wochen nach der unteren Konjunktion Ende Jänner am Morgenhimmel!